Die nachfolgenden Informationen sind nicht als Konsumaufforderung zu verstehen!
Heroin
Beschreibung
Opium wird aus der Mohnpflanze gewonnen. Es besteht aus 18 Alkaloiden, eines davon ist Morphium. Heroin ist wiederum ein Morphiumderivat (Weitere verwandte Stoffe sind Codein und Methadon). Die chemische Bezeichnung von Heroin lautet Diacetylmorphin.
Aufnahme und Abbau
Heroin wird meist intravenös injiziert. Dazu wird das Pulver zunächst auf einem Löffel mit Zitronensaft oder besser wenig Ascorbinsäure (Vitamin C) und Wasser erhitzt. Dann durch einen Filter in die Spritze aufgezogen. Die Droge kann auch rektal (ohne Kanüle), unter die Haut, in die Muskulatur gespritzt, auf Alufolie verdampft und inhaliert, mit Tabak geraucht oder geschnupft werden.
Die eigentliche Wirkung hält ungefähr 2 bis 6 Stunden an, danach kommt es zu einem Wirkungsabfall, der dem Stupor (Zustand ohne erkennbare Aktivität) gleicht. Bereits 6 Stunden nach der Injektion können Entzugserscheinungen auftreten. Opiate wirken an den Opiatrezeptoren im Rückenmark und in der grauen Substanz des Gehirns, vor allem im limbischen System (Emotionszentrum); körpereigene Agonisten heißen Endorphine.
Wirkung
Kurzfristige Wirkung auf das Erleben und Verhalten
Als rush oder flash bezeichnete Euphorie; danach glückseliger Zustand, der von Ruhe (Tagträume, Passivität), Ausgeglichenheit und hohem Selbstbewusstsein gekennzeichnet ist. Gegenüber Problemen und Konflikten wird der Konsument gleichgültig. Die Reizabschirmung wird durch die sedativ-narkotische Wirkung und der relativen Schmerzunempfindlichkeit unterstützt.
Physiologische Wirkung
Verengte Pupillen; verlangsamter Herzschlag; die Droge dockt an das schmerzhemmende, körpereigene Endorphinsystem an, welches sonst zur Überlebenssicherung bei Unfällen etc. dient; lähmende Wirkung auf das Atemzentrum: das führt bei Überdosierung zum Tod; Verstopfung; es gibt einen Früheffekt auf das Zentrum, das Erbrechen steuert (nämlich das Auslösen von Erbrechen) und einen Späteffekt (die Lähmung dieses Zentrums); Juckreiz; es kann durch Verunreinigungen zum sogenannten „shake“ kommen: Schüttelfrost, Fieber und Krämpfe.
Langzeitfolgen
Die psychologischen Langzeitfolgen bei Dauerkonsum sind:
Persönlichkeitsveränderungen (Interessenverlagerung ausschließlich auf die Droge hin), Verlust ethischer Normen (Beschaffungskriminalität, Prostitution), Verlust des sozialen Umfeldes, Psychosen sind möglich, Koordinationsverlust.
Die physiologischen Folgen bei Dauerkonsum sind:
schwere Verdauungsstörungen, Zahn- und Zahnfleischverlust, Gewichtsverlust, laufende Nase, Schüttelfrost, Zyklusstörungen bzw. Ausbleiben der Regelblutung, Impotenz, hohe Gefahr einer Hepatitis- und Aidsinfektion durch Spritzentausch, sehr hohes Abhängigkeitsrisiko (schon nach wenigen Injektionen), starke Tendenz zur Dosissteigerung durch abnehmende Empfindlichkeit der Opiatrezeptoren.
Zudem treten Entzugssymptome auf: Die Entzugsdauer beträgt ca. 4 - 10 Tage, der Höhepunkt ist nach 24 bis 72 Stunden erreicht; quälende vegetative Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfälle, erhöhte Temperatur, Puls- und Atembeschleunigung, Muskel- und Gliederschmerzen, Schwitzen, Tränenfluss, Erbrechen, Schlafstörungen, Krämpfe.
Diese Entzugserscheinungen sind schwer erträglich. Zur Vermeidung wird oft wieder konsumiert.
Suchtgefahr
Heroin hat durch die überwältigende psychische Wirkung schon nach einmaliger Einnahme ein extrem hohes Suchtpotential. Zudem ist Heroin auch körperlich sehr stark abhängigkeitserzeugend. Symptomatisch dafür sind Toleranzsteigerung und vor allem die schon beschriebenen Entzugserscheinungen.
Wechselwirkungen
Eine große Gefahr geht auch davon aus, dass Heroin auf dem Schwarzmarkt in seiner Qualität nicht einzuschätzen ist. Ist die Qualität zu hoch, so kommt es zur versehentlichen Überdosierung mit Todesfolge; sind zu viele anderen Streckstoffe beigemischt (wie zum Beispiel das sedierende Rohypnol), so besteht die Gefahr einer Atemlähmung.
Heroin möglichst nicht mit Alkohol, Kokain und vor allem nicht mit Schlaf- bzw. Beruhigungsmitteln (Rohypnol) konsumieren (diese haben unter Umständen eine sehr lange Halbwertszeit!). Mischkonsum ergibt lebensgefährliche Risiken!
Vorsichtsmaßnahmen
- Besser Rauchen oder Sniefen als Spritzen; eine andere Möglichkeit ist die Anal-Injektion ohne Kanüle
- Möglichst risikoarm, in angenehmer Umgebung konsumieren und vor allem nicht allein, damit im Notfall jemand Hilfe leisten kann!
- Bei unbekannter Herkunft und Qualität zunächst die halbe Dosis konsumieren, um eine Überdosierung oder einen ‘shake’ zu vermeiden
- Mischkonsum verschiedener Substanzen unterlassen, da sonst die Wirkung unkalkulierbar wird und die Risiken steigen! (siehe Wechselwirkungen)
- Zu ‘safer use’ gehört auch ‘safer sex’. Verwende immer Kondome! Sie schützen Dich vor sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten und vor ungewollter Schwangerschaft!
- Hände weg vom Steuer nach Konsum
Das Spritzen von Heroin bringt Probleme mit sich. Diese kannst Du einschränken, aber nicht vermeiden. Wenn Du Dich trotzdem für Spritzen entscheidest, dann denke an folgendes:
- Auf saubere Finger achten. Wasche Dir die Hände vor dem Spritzen
- Die Einstichstelle mit hochprozentigem Alkohol desinfizieren, was die Entstehung von Abszessen verhindert (eitrige Entzündung unter der Haut, die zur Blutvergiftung und zum Tod führen kann). Ärztliche Behandlung ist notwendig, wenn Du ein Abszess hast!
- Verwende große Nadeln (16er, 18er). Die Gefahr, dass Du Dir die Venen durchstichst, ist geringer
- Benutze immer sauberes bzw. neues Spritzbesteck Lege einen Vorrat an sterilen Spritzen und Nadeln zu oder besorge Dir Adressen für Ausgabestellen bzw. Spritzenautomaten. In Berlin unter www.fixpunkt.org mit einem großen Spektrum an weiteren Hilfsangeboten (z.B. Druckräume, ärztliche Versorgung, ...)
- Besser zweiteilige Spritzbestecke benutzen als einteilige bzw. keine Insulinspritzen: diese reißen die Venen auf
- Niemals Nadeln und Pumpen mit anderen gemeinsam benutzen und niemals den Stoff gemeinsam aufziehen und teilen: die Infektionsgefahr (HIV, Hepatitis, Bakterien, Pilze) ist enorm hoch, da relativ viele Heroingebrauchende infiziert sind
- frisches Wasser oder noch besser steriles Wasser benutzen; Filter verwenden; Löffel stets gründlich reinigen; besser keinen Zitronensaft (wegen des Fruchtfleischs), sondern sparsam Ascorbinsäure verwenden.
- Besonders riskant ist das Spritzen in die Venen am Hals, in der Leiste, in den Fußsohlen, in Fingern und in der Handinnenseite, da hier zum einen mögliche Infektionen besonders schlecht heilen können und zum anderen die Gefahr besteht, wichtige Nervenbahnen bzw. Arterien, welche parallel zu den Venen laufen, zu verletzen. Immer mit einem Stauschlauch/Abbinder arbeiten (kein Schnürsenkel o.ä., dieser klemmt auch Arterien ab) und nicht zu fest anziehen, das erhöht die Treffsicherheit. Die Venen werden besser sichtbar. Vor dem Abdrücken Stauschlauch lösen!
- Beim Spritzen: immer in Richtung Herz einstechen, da sonst die Venenklappen geschädigt werden! Blut anziehen und beobachten: ist es dunkel - okay. Ist es hell / schaumig: Du hast eine Arterie getroffen, d.h. Nadel rausziehen und nicht abdrücken! Stets langsam einspritzen, sonst können Venen platzen. Musst Du mehrmals einstechen, wechsle unbedingt jedes Mal die Einstichstelle
- Wenn Dein Hunger auf den nächsten Druck besonders groß ist, solltest Du zunächst Rauchen oder Sniefen, um unerwünschte Verletzungen durch Zittern der Hände o.ä. bei der Injektion zu vermeiden
Im Notfall
Kommt es zum „shake“: zudecken und heißen Tee trinken.
Bei Krampfanfällen: Kopf und Körper schützen, d.h. ein Kissen unterlegen und Gegenstände wegräumen. Person nicht festhalten.
Bei Bewusstlosigkeit bzw. Erbrechen: stabile Seitenlage, Puls und Atmung kontrollieren, versuchen zu wecken bzw. wach halten: zwischen 2 Personen aufrecht hin- und hergehen. Falls nötig (also bei Atem- bzw. Herzstillstand) Beatmen: Kopf nach hinten überstrecken, Mund zuhalten, mit weit geöffnetem Mund die Nase umschließen und 2 Atemstöße geben und Herzmassage: Hände übereinander auf die Mitte des unteren Brustbeins legen und mit gestreckten Armen durch das eigene Körpergewicht schnell 15- bis 30-mal den Brustraum 4-5 Zentimeter niederdrücken.
Falls die Person nicht weckbar ist oder abklappt, rufe den Notarzt (Telefonnummer 112); erwähne, dass die Person nicht ansprechbar ist bzw. „Atemstillstand ohne Fremdverschulden“ (Polizei kommt dann nicht mit) und beschreibe diesem dann vor Ort was vorgefallen ist (vor allem welche Drogen konsumiert wurden).
Bei Überdosierung immer Notarzt rufen! Kochsalzlösung spritzen hilft nicht, sondern ist Zeitverschwendung! Besser erste Hilfe leisten. Nur Naloxon hilft bei Überdosis!
Nicht in Panik geraten und vor allem die betroffene Person nicht alleine lassen!!
Nicht einfach wegschauen, wenn es jemandem schlecht geht!