Die nachfolgenden Informationen sind nicht als Konsumaufforderung zu verstehen!
Cannabis
Beschreibung
Cannabis ist die wissenschaftliche Bezeichnung der Hanfpflanze, wobei es neben der Nutzpflanze (Verwendung z.B. in der Autoindustrie oder zur Herstellung von Textilien, Seilen etc.) auch eine Unterform mit dem starken psychoaktiven Stoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol gibt. Allerdings enthält die Hanfpflanze insgesamt ca. 60-70 verschiedene Cannabinoide, welche kaum oder nicht psychoaktiv wirken.
Konsumiert werden vor allem Marihuana bzw. „Gras“ (getrocknete Blüten und Blätter) und Haschisch (Harz der Blütenstände, welches zu Platten gepresst wird). Diese Substanzen schwanken unter Umständen erheblich in ihrem Wirkstoffgehalt zwischen 1% und 20%. Seltener gebräuchlich ist das Haschischöl als Auszug (durch Lösungsmittel) von Marihuana bzw. Haschisch mit einem Wirkstoffgehalt bis zu 50%.
Aufnahme und Abbau
Die Produkte können pur oder gemischt als Joint oder in verschiedenen Rauchgeräten geraucht werden. Bei der Inhalation setzt die Wirkung nach wenigen Minuten ein, erreicht das Maximum nach etwa 15 Minuten und ist nach 2 bis 3 Stunden abgeklungen. Eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt ist ebenso möglich, wobei die Droge dann als Getränkezusatz oder in Gebäck eingenommen wird. Bei oraler Aufnahme setzt die Wirkung nach 30 bis 120 Minuten ein und hält bis zu 8 Stunden an.
Der Abbau von THC dauert deutlich länger, als die Wirkung anhält. THC lagert sich ein und ist deswegen auch bis zu 30 Tagen noch im Urin nachweisbar (bei Dauerkonsumenten auch länger).
Es gibt auch körpereigenes THC, genannt Anandamid mit den gleichen Wirkweisen von THC. Entsprechende Rezeptoren finden sich im Kleinhirn, in den Basalganglien (Feinmotorik, Bewegungsabläufe) und im Hippocampus (Teil des Gefühlzentrums) sowie im frontalen Kortex (Bewusstsein und Gedächtnis). Es befinden sich keine Rezeptoren dieser Art im Stammhirn, somit ist auch keine Lebensgefährlichkeit gegeben.
Wirkung
Kurzfristige Wirkung auf das Erleben und Verhalten:
Niedere bis mittlere Dosis | Mittlere bis hohe Dosis | Sehr hohe Dosis |
Ausgelassenheit | Ängstl. Zustände | Angst- und Panikzustände |
Albernheit | Verlangsamung von Denkprozessen | |
Euphorie | Ruhelosigkeit | Dysphorie (gereizte und bedrückte Stimmung) |
Intensivierung sensorischer Erlebnisse | Massive Kurzzeitgedächtnis-beeinträchtigung | |
Verändertes Zeitgefühl | Verzerrung des Raum- und Zeitgefühls | Delirartige Zustände |
Entspannung | Verwirrung | Wahnvorstellungen |
Kreativität | bruchstückhaftes Denken | Halluzinationen |
Lockerung der Zensur-schranke: Besseres Verständnis für das Innen | Konzentrationsschwäche | Depersonalisierung: Verlust des Persönlichkeitsgefühls |
Intensivierung der Wahrnehmung von Musik und Farben | Bewegungsbeeinträchtigung | Verändertes Körpergefühl |
Physiologische Wirkung
Rötung und Jucken der Augen, Mund- und Kehlentrockenheit, Appetitsteigerung, Verringerung des Augeninnendrucks, REM-Schlaf-Reduzierung (Schlafanteil, welcher wesentlich zu Erholung beiträgt), Absinken der Hauttemperatur, Muskelschwäche, unter Umständen Schwindel
Langzeitfolgen
Die psychologischen Langzeitfolgen bei Dauerkonsum sind:
Interesselosigkeit, Apathie (Gleichgültigkeit), gelegentlich das Amotivationssyndrom (Verlust des Wunsches zu arbeiten), Verschlimmerung oder Verursachung von psychiatrischen Störungen, besonders Psychosengefahr und Persönlichkeitsveränderungen.
Die physiologischen Folgen bei Dauerkonsum sind:
Chronische Bindehautentzündung, Schädigung der Atemwege (Krebsrisiko und Lungenfunktionsbeein-trächtigung), Kreislaufverlangsamung, negative Beeinflussung der männlichen und weiblichen Fortpflanzungsfähigkeit (verminderte Fruchtbarkeit der Spermien und Unregelmäßigkeiten beim Eisprung), Fötusbeeinflussung von THC durch Überwindung der Plazentaschranke, Durchblutungsstörungen bestimmter Gehirnteile (des Temporal- und Frontallappens), eventuell degenerative Veränderungen (Verfall) von Nervenzellen im limbischen System (Gefühlszentrum) und Synapsenveränderungen.
Suchtgefahr
Die suchterzeugende Wirkung (psychologisch) beruht auf dem Eingreifen der Droge in das Belohnungssystem des Gehirns und den dortigen biochemischen Veränderungen (vor allem auf den Neurotransmitter Dopamin bezogen).
Eine abhängigkeitsverursachende Wirkung auf physiologischer Ebene ist nicht nachgewiesen; trotzdem gibt es eine Toleranzentwicklung bei Konsum größerer Mengen (ab ca. fünf Joints pro Tag). Nach dem mehrtägigen Stop des Konsums tritt jedoch das Phänomen der Toleranzumkehr ein: die Wirkung ist schon nach einmaligem Konsum wieder vorhanden, ohne dass größere Mengen konsumiert werden müssten. Auch gibt es Entzugssymptome (Beginn ca. 10 Stunden nach Letztkonsum; Dauer: 2-3 Tage): emotionale Labilität, Unruhe, Schlafstörungen, möglich sind auch Ängste oder Niedergeschlagenheit bzw. Depression.
Ein erstes Anzeichen für eine drohende Abhängigkeit sind diese Entzugssymptome oder, falls Du ganz unruhig wirst, wenn Du mal nichts mehr hast oder nichts bekommst! Weitere Anzeichen können der Konsum trotz wichtiger Termine oder während der Schule/Arbeit sein.
Wechselwirkungen
Vorsicht bei Alkohol und Kiffen!! Bei Überdosierung kommt es sehr schnell zu Erbrechen. Außerdem schränken beide Substanzen die Denk- und Wahrnehmungsfähigkeit ein, so dass sie sich gegenseitig verstärken.
Polytoxikomanisches Konsumieren, also das gleichzeitige Gebrauchen von 2 oder mehr verschiedenen Drogen birgt ein hohes Risiko an unerwünschten und unerwarteten Nebeneffekten. Bleibe besser bei nur einer Substanz!
Vorsichtsmaßnahmen
- Cannabis verstärkt die jeweilige Stimmung, wenn es Dir also nicht gut geht, kann Cannabiskonsum dazu führen, dass es Dir noch schlechter geht
- Konsumiere maßvoll und nicht, um Sorgen oder Probleme zu vergessen.
- Kiffe nicht während der Arbeit, in der Schule oder vor wichtigen Terminen
- Schaffe Dir eine angenehme Atmosphäre und konsumiere nicht alleine
- Kiffe nicht jeden Tag, sondern mache Pausen. Täglicher Gebrauch birgt Abhängigkeitsgefahren!
- Hände weg vom Steuer nach Konsum: die Wahrnehmung ist nicht mehr straßenverkehrstauglich
- Bei Unwohlsein bzw. zum Runterkommen: Fruchtsäfte oder Vitamin C zu Dir nehmen; esse Zucker (Schokoriegel,...) bzw. trinke Cola. Kopf und Nacken kühlen
Im Notfall
Falls jemand einen Kreislaufkollaps (kalter Schweiß, Schwindel, Übelkeit oder Atemnot) erleidet: Sorge für frische Luft, Ruhe und etwas Alkoholfreies zu trinken.
Bei Erbrechen: Bringe die Person in die stabile Seitenlage, damit der-/diejenige nicht ersticken kann. Kontrolliere Puls und Atmung vor allem, wenn die Person auch andere Drogen konsumiert hat. Notfalls (also bei Atem- bzw. Herzstillstand) Beatmen (Kopf nach hinten überstrecken, Mund zuhalten, mit weit geöffnetem Mund die Nase umschließen und 2 Atemstöße geben) und Herzmassage (Hände übereinander auf die Mitte des unteren Brustbeins legen und mit gestreckten Armen durch das eigene Körpergewicht schnell 15- bis 30-mal den Brustraum 4-5 Zentimeter niederdrücken) durchführen.
Falls nötig, rufe den Notarzt (Telefonnummer112) und beschreibe diesem was vorgefallen ist (vor allem welche Drogen konsumiert wurden). Der Arzt hat Schweigepflicht, die Polizei nicht.
Nicht in Panik geraten und vor allem die betroffene Person nicht alleine lassen!!
Nicht einfach wegschauen, wenn es jemandem schlecht geht!!