Die nachfolgenden Informationen sind nicht als Konsumaufforderung zu verstehen!
Alkohol
Beschreibung
Alkohol bezeichnet im täglichen Sprachgebrauch speziell Ethanol oder Ethylalkohol, der durch Vergärung von Zucker gewonnen wird. Durch Destillation in speziellen Vorrichtungen kann der Alkoholgehalt in Flüssigkeiten erhöht werden. Industriell werden darüber hinaus weitere Alkohole hergestellt, welche nicht zum Verzehr geeignet sind.
Aufnahme
Die Aufnahme von Alkohol im Körper erfolgt zu 80% über den Dünndarm und der dortigen Resorption in das Blut. Mit dem Blutkreislauf verteilt sich der Alkohol im ganzen Körper einschließlich dem Gehirn, da die Substanz die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Ca. 20% der Alkoholmenge wird auf dem Weg zum Darm aufgenommen, beginnend mit den Mundschleimhäuten. Bereits 5 Minuten nach Konsum ist Blutalkohol messbar und damit spürbar, nach 30-60 Minuten ist der Höhepunkt erreicht. Ein voller Magen verlangsamt die Aufnahme, Kohlensäure beschleunigt sie. Die Messung erfolgt in Promille, wobei ein Promille einem Milliliter reinem Alkohol pro Liter Blut entspricht. Alkohol wirkt im gesamten Gehirn.
Abbau
Ca. 0,1 bis 0,15 Promille in der Stunde (Männer mehr als Frauen) und zu 95% über die Leber (Lunge und Haut: ca. 4% unveränderte Ausscheidung; Niere ca. 1%). In der Leber wird in mehreren Schritten Alkohol zu Fett, Kohlendioxid und Wasser umgewandelt. Das geschieht über Enzyme.
Allgemeine Wirkweise
Alkohol beeinflusst das zentrale Nervensystem (ZNS), indem es über den GABA-A-Rezeptor die Neurotransmittersysteme Acetylcholin, Glutamat und Dopamin beeinflusst. Die Droge lähmt zuerst höhere, vornehmlich hemmende Gehirnzentren (Erklärung weiter unten), danach (bei weiterer Alkoholzufuhr) das Zwischenhirn, das Kleinhirn und letztlich auch das Stammhirn (Lebensgefahr!).
Kurzfristige Wirkung auf das Erleben und Verhalten:
Anfangs beeinträchtigt Alkohol komplexe Denkvorgänge (die Verknüpfung von Informationen ist gestört) und die Wahrnehmung (verzerrte Einschätzungen) und den Willen (besonders auffällig ab 0,8 Promille). Über das Eingreifen in das Botenstoffsystem bzw. in das Belohnungssystem (über den Botenstoff Dopamin) im Zwischenhirn mit dem Sitz der gefühlsregulierenden Zentren wirkt die Droge zunächst angenehm und stimulierend (Enthemmung, Entspannung, Stimmungshoch, Schmerzlinderung). In größeren Mengen schlägt dieser Zustand in Gleichgültigkeit und Apathie um (Dumpfheit).
Physiologische Wirkung
Alkohol erweitert vor allem die äußeren Blutgefäße, so dass ein Wärmegefühl entsteht und zeitgleich die natürliche Wärmeregulation außer Funktion gesetzt wird, was bei sehr niedrigen Temperaturen zum Kältetod führen kann. Erreicht Alkohol das Kleinhirn, dem Sitz der Bewegungskoordination und der Gleichgewichtssteuerung, so schlägt sich dies in der motorischen Koordination nieder (Schwanken, geschädigte Feinmotorik, verwaschene Sprache und Übelkeit bzw. Erbrechen). Ab ca. 3 Promille wird auch das Stammhirn angegriffen, in dem die lebenswichtigen Funktionen des Herzrhythmus, des Blutkreislaufes und der Atmung gesteuert werden. Tod durch Alkoholvergiftung kann die Folge sein.
Langzeitfolgen
Die psychologischen Langzeitfolgen bei Dauerkonsum sind:
Gedächtnisstörungen, schwerfälligeres Denken, Gefühlsschwankungen, Reizbarkeit, Depression unter Umständen mit Suizidgefahr, Angstzustände; gravierende Änderungen des sozialen Umfeldes durch Streitigkeiten mit dem/der Partner/in, Kindern oder Freunden, Verlust des Arbeitsplatzes, etc.
Die physiologischen Langzeitfolgen bei Dauerkonsum sind:
Gehirn | Hirnatropie (Schrumpfung, vor allem im Frontallappen) durch absterbende Zellen mit Langzeitfolgen: Gedächtnisstörungen, schwerfälligeres Denken, Gefühlsschwankungen, Reizbarkeit, unsichere Bewegungen, lallende Sprache |
Mund / Hals | Krebsrisiko der Mundschleimhaut, des Kehlkopfes und der Speiseröhre erhöht |
Herz- und Kreislaufsystem | Bluthochdruck: Risikofaktor für Schlaganfälle |
Magen | Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüre |
Bauchspeicheldrüse | Diabetesgefahr; bei Fermentstau durch alkoholbedingte Eiweißablagerungen im Ausführungsgang zersetzt sich die Drüse |
Leber | Fettleber: Alkohol in Mengen entspricht durch Umwandlung Fett in Mengen, das nicht mehr abtransportiert werden kann. Leberentzündung: Alkoholabbauzwischenprodukt Acetylaldehyd führt zur Leberzellentod. Leberzirrhose: lebensgefährliche Entwicklung von harten Narben und Leberschrumpfung durch Zelltod. Folge: Selbstvergiftung wegen Funktionsuntüchtigkeit |
Darm | Krebsrisiko erhöht |
Geschlechtsorgane | Zyklusunregelmäßigkeiten; Hodengewebeschädigung und Verweiblichung durch Östrogenanhäufung; Erektionsstörung |
Haut | Kapillare Hämorrhagie (Gefäßerkrankung): Rötung des Gesichts, vor allem der Nase; schlechte Haut durch Nährstoffmangel |
Nerven | Polyneuropathie: Schmerzen, Ausfall des Hautgefühls + der Propriozeption (Wahrnehmung des eigenen Körpers) |
Knochen und Gelenke | Vorzeitige Alterung; Gelenkentzündungen |
In der Schwangerschaft | Alkoholembryopathie: Fötus wachstumsverzögert mit Gesichts-, Schädel-, Gliedmaßenanomalien; geistige Behinderungen |
Immunsystem | Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen |
Suchtgefahr
Alkoholkonsum wird z.B. zur Entspannung in der Freizeit und als Stimmungsmacher in Gesellschaft benutzt. Problematisch daran ist, dass die legale Droge Alkohol in Deutschland „dazugehört“: „Ohne Alkohol ist eine Party schlecht“, „zu gutem Essen gehört ein gutes Glas Wein“, „Feierabendbier muss ja sein“, ... und so sehr leicht eine Gewöhnung bzw. ein automatisches Trinken einsetzt. Außerdem lassen sich Stimmungen und Gefühle mit Alkohol sehr gut steuern, so dass die Versuchung groß ist, gerade bei negativen Gefühlen und bei Problemen zu Alkohol zu greifen. Gleichzeitig geraten andere Problemlösefähigkeiten in Hintergrund. Um die gewünschte Wirkung immer wieder zu erzielen, braucht der Mensch jedoch immer mehr (es bildet sich eine Toleranz gegenüber Alkohol). Immer mehr bedeutet aber auch das Hervortreten von Entzugserscheinungen, z.B. negative Stimmung oder Kater. Um diese zu bekämpfen wird wieder Alkohol getrunken etc., bis hin zu einem Teufelskreis in welchem sich schließlich alles nur noch um Alkohol dreht.
Neurologisch betrachtet beruht die Möglichkeit der psychologischen Abhängigkeit von Alkohol auf der Wirkung der Droge auf das Belohnungssystem des Hirns (Eingriff vor allem in den Haushalt des Neurotransmitters Dopamin). Die körperliche Abhängigkeit beruht auf Rezeptorveränderungen und dem Vermeiden von Entzugssymptomen. Toleranzentwicklung und Entzugssymptome (Kater, Unlust, Gereiztheit, in schweren Fällen Tremor - v.a. Zittern der Hände, Delirium tremens - sind sehr ausgeprägt und beginnen mit dem Erstkonsum!!!
Die seelische und körperliche Abhängigkeit entwickelt sich schleichend und verdeckt. Je größer die Menge an über die Zeit getrunkenem Alkohol insgesamt, desto näher gerät der Mensch in die Nähe der Abhängigkeit!
Wechselwirkungen
Gefährliche Mischungen sind immer Alkohol und andere Drogen, da die Wechselwirkungen nie abgeschätzt werden können. Auf keinen Fall Alkohol trinken, wenn Du Medikamente nehmen musst. Vor allem bei Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepinen (Valium, Rohypnol etc.) und Herzmitteln, aber auch bei rezeptfreien Medikamenten kann es zu schwersten körperlichen Komplikationen bis zum Tod kommen. Auf die Beipackzettel achten bzw. den Arzt fragen!!!
Niemals Alkohol trinken und GHB / Liquid Ecstasy konsumieren!!! Lebensgefahr!!!
Vorsichtsmaßnahmen
- Das Jugendschutzgesetz beachten: kein Alkohol für unter 16-jährige und kein hochprozentiger Alkohol für unter 18-jährige. Generell nur selten Alkohol trinken: Alkohol sollte die Ausnahme bleiben, nicht die Regel sein!
- Erwachsene: risikoarmer Alkoholkonsum bedeutet für Frauen: nicht mehr als ein Glas Bier pro Tag an höchstens 5 Tagen pro Woche und für Männer: nicht mehr als zwei Gläser Bier pro Tag an höchstens 5 Tagen pro Woche. Daher: Trinkpausen einlegen!
- während einer Schwangerschaft nie trinken: Schwere Missbildungen des Fötus sind möglich
- nach Alkoholkonsum kein Auto fahren: 0,5 Promille sind die erlaubte Menge Blutalkohol, welche schon nach 1-2 kleinen Gläsern (o,33 Liter) Bier erreicht sein kann
- bei höherem Alkoholkonsum z.B. beim Feiern: unbedingt immer wieder ein Glas Wasser trinken, das vermindert das körperliche Risiko (und den Kater)
- kein Komasaufen/Kampftrinken! Das Risiko einer Alkoholvergiftung ist groß und die körperlichen Schäden auch.
- Mädels: Lasst Euch nicht abfüllen! Das Ziel dahinter ist klar: Ihr sollt leichte Beute werden und es kann zu sexuellen Aktivitäten kommen, die so weder von Euch noch von Tätern gewollt waren (auch wenn es den betrunkenen Jungs dann später vielleicht leid tut)
- Jungs: je mehr saufen, desto cooler ist einfach Schwachsinn. Immer noch mehr zu Trinken bringt nur Absturz, bzw. endet in Aggression und Gewalt
- Niemals Medikamente nehmen und Alkohol trinken, die Wirkung ist nicht abschätzbar
- Nochmals: niemals Alkohol und GHB/Liquid Ecstasy zusammen konsumieren: Lebensgefahr schon bei 1 Bier
Im Notfall
Bei Erbrechen: wegen der Erstickungsgefahr auf freie Atemwege achten und stabile Seitenlage einnehmen. Wenn möglich: Wasser trinken.
Bei Bewusstlosigkeit auf jeden Fall den Notarzt rufen: Lebensgefahr!! Atmung und Puls kontrollieren und notfalls (also bei Atem- bzw. Herzstillstand) Beatmen (Kopf nach hinten überstrecken, Mund zuhalten, mit weit geöffnetem Mund die Nase umschließen und 2 Atemstöße geben) und Herzmassage (Hände übereinander auf die Mitte des unteren Brustbeins legen und mit gestreckten Armen durch das eigene Körpergewicht schnell 15- bis 30-mal den Brustraum 4-5 Zentimeter niederdrücken) durchführen.
Auf ausreichend Wärmeschutz achten bzw. Unterkühlung verhindern.
Falls jemand bei Minustemperaturen im Park o.ä. liegt: Kältebus (in Berlin ab 21 Uhr unter der Telefonnummer 0178 - 523 58 38) oder Notarzt rufen!!
Nicht in Panik geraten und vor allem die betroffene Person nicht alleine lassen!!
Nicht einfach wegschauen, wenn es jemandem schlecht geht!!